1967. Auf der Welt wird der erste Geldautomat in Betrieb genommen. «The Beatles» haben ihren Mega-Hit «All you need is love». Und in Wohlen spaziert ein flotter Mann auf die Redaktion des «Wohler Anzeigers». Seine Waden sind so dick wie «Chüngeli-Ränze». Der knapp 30-jährige Mann ist fit wie ein Turnschuh. Er bringt Zettel auf die Sportredaktion. Darauf hat er die Resultate der Athleten der Läuferriege Wohlen auf seiner Schreibmaschine niedergeschrieben. Sein Kürzel unter seinen Berichten lautet kurz «B». Sein Name: Kaspar Burkart. Spitzname Chabi. Eine Ära beginnt.

In den 70er-Jahren herrscht Krieg in Vietnam, «The Beatles» lösen sich auf. In den 80ern wird Helmut Kohl Bundeskanzler und in Tschernobyl gibt es eine Atom-Katastrophe. In den 90er-Jahren stirbt Prinzessin Diana bei einem Autounfall und Mobiltelefone werden immer weiter verbreitet. Nach dem Jahrtausendwechsel ereignet sich der Anschlag auf das World Trade Center in New York und Barack Obama wird US-Präsident. In den letzten zehn Jahren herrscht Klimakrise und das Internet kommt heftig auf. Chabi hat all dies überstanden. Seine Berichte sind heute – über 50 Jahre später – so etwas wie Kult geworden in dieser Zeitung. Er beginnt stets mit dem Wetter, das von «garstig-kühl» bis «schwül-warm» alles sein kann. Und danach schreibt er von den glorreichen Siegen der LR-Wohlen- Athleten. Stefica Gajic gewinnt sowieso immer.

Chabi selbst hat bei 1359 Läufen mitgemacht. Er kam in den vergangenen über 50 Jahren immer auf die Redaktion – oft joggend – und brachte seine Berichte persönlich vorbei. Dazu gab es ein Lächeln und einen angenehmen Schwatz über die Liebe und das Leben. Chabi ist Balsam für die Seele im Arbeitsalltag. Doch dieser Zustand ist nun in grösster Gefahr. Der 83-Jährige hat das Internet entdeckt. Letzte Woche erhielt ich eine Meldung auf meinem Handy. Ein Text über die LR Wohlen, abgespeichert als PDF, geschickt per Whatsapp. Stefica Gajic hat wieder gewonnen. Der Absender: Chabi Burkart. «Ich habe das Internet entdeckt», schreibt er. Ich sage ihmhier per Kolumne, offiziell und ohne Spass: «Chabi, hör auf mit dem Seich und komm wieder persönlich vorbei.» Digitalisierungist hierbei absolut kein Fortschritt. Ich vermisse dich.